7. Januar 2019

Planung für die Dorfgemeinschaft

Wattenweiler: Wie das Dorfgemeinschaftshaus den Ortskern belebt

Das Leben auf dem Land attraktiv gestalten und Menschen – jung und alt – Anreize für den Lebensmittelpunkt Dorf bieten: Ein lebendiger Ortskern trägt dazu entscheidend bei. Dieses Thema treibt derzeit viele Gemeinden um. Die Bewohner von Wattenweiler, einem Ortsteil von Neuburg a. d. Kammel, haben dafür den geeigneten Raum geschaffen. Seit 2018 bietet ein Dorfgemeinschaftshaus Platz für Vereine und Geselligkeit.

Das Dorfgemeinschaftshaus in Wattenweiler bildet ein lebendiges Zentrum für Vereine und Geselligkeit.

Das Dorfgemeinschaftshaus in Wattenweiler bildet ein lebendiges Zentrum für Vereine und Geselligkeit.

In der Ortsmitte von Wattenweiler im Landkreis Günzburg steht ein 200 Jahre altes Wirtshaus, das ehemalige Gasthaus „Stern“. Seit etlichen Jahren jedoch war dort kein Betrieb mehr. Das rund 2.600 Quadratmeter große „Wassermann Areal“, auf dem sich die Gaststätte im typisch schwäbischen Baustil befindet, lag brach. Ein Ortsmittelpunkt fehlte.

Das bemängelten die Bürger des Ortes im Jahr 2002 bei einem Seminar zur Gemeinde-Entwicklung. Denn eigentlich gibt es in Wattenweiler ein lebendiges Vereinswesen und einen gut besuchten Jugendtreff. Lediglich die Räumlichkeiten dafür waren nicht ideal.

Ändern sollte sich das im Jahr 2011. Die Gemeinde Neuburg an der Kammel kaufte das „Wassermann“-Gelände. Kurz darauf berieten Vereine, engagierte Bürger sowie der Gemeinderat über die zukünftige Nutzung. Ein Dorfgemeinschaftshaus sollte entstehen.

SCHUSTER engineering entwickelt das Planungskonzept zum Dorfgemeinschaftshaus Wattenweiler

Im Jahr darauf beauftragte die Gemeinde das Team von SCHUSTER engineering mit der Erstellung eines Planungskonzepts. Dies erwies sich als nicht ganz einfach. Denn die Ansprüche an das Gebäude waren hoch: Sämtliche Vereine des Ortes sollten darin Platz finden. Darunter auch die freiwillige Feuerwehr mit ihrem Gerät, die Schützen mit entsprechenden Schießständen und der Gartenbauverein samt Equipment. Außerdem sollte es einen Raum für Veranstaltungen geben.

Der dafür benötigte Platz und besonders die zu erwartenden Baukosten sorgten für heftige Diskussionen im Marktrat. SCHUSTER engineering erarbeitete ein Konzept, das auch die Eigenleistung der Wattenweiler Bürger einschloss, wodurch die Kosten erheblich gesenkt werden konnten. Hinzu kam eine lukrative Förderung durch die EU: das Programm „ELER“ zur Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums. Zusammen mit anderen Fördermitteln ermöglichte dies letztlich die Umsetzung des Dorfgemeinschaftshauses nach der Vorstellung aller Beteiligten.

Insgesamt konnten 843.000 Euro der Gesamtkosten von 2,9 Millionen Euro durch Fördergelder abgedeckt werden.

Optimale Nutzungsbedingungen für alle Vereine

Die Architektin Sigrid Baumgärtner aus dem Team von SCHUSTER engineering erarbeitete mehrere Entwürfe für das Dorfgemeinschaftshaus. Die zahlreichen Anforderungen der Beteiligten umzusetzen und so die optimale Nutzung sicherzustellen, stand im Vordergrund. Gewissenhaft umgesetzte Details sollten sicherstellen, dass das Dorfgemeinschaftshaus über viele Jahre hinweg nachhaltig genutzt werden kann.

Das bestehende Gasthaus "Stern" und der Neubau bilden den Rahmen für einen Dorfplatz vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Wattenweiler.

Durch die Anordnung des Gebäudekomplexes ist ein großzügiger Dorfplatz entstanden.

Entstanden ist ein Komplex aus einem Neubau und dem bestehenden zweigeschossigen Gasthaus, die sich rechtwinklig aneinanderfügen. Durch seinen Stadel-Charakter ordnet sich das neue Gebäude dem Bestandgebäude unter. Die beiden Objekte bilden den Rahmen für einen großzügigen Dorfplatz, der sich zur Straße hin öffnet.

Feste im Sommer können also auch draußen stattfinden – mit Blick auf die Holzfassade des neuen Veranstaltungsgebäudes: Bürger des Dorfes haben diese mit großem Sachverstand selbst umgesetzt.

Der Neubau: Raum für die Dorfgemeinschaft

Ein großer Saal bildet das Herzstück des Dorfgemeinschaftshauses in Wattenweiler.

160 Personen finden im neu gebauten Saal des Dorfgemeinschaftshauses in Wattenweiler Platz.

Im Erdgeschoss des Neubaus befindet sich das Herzstück der Dorfgemeinschaft: der große Saal, der Platz für etwa 160 Personen bietet, mit direktem Anschluss an den ehemaligen Biergarten, der nun zum Dorfplatz umgestaltet wurde. Eine mobile Trennwand unterteilt den Saal je nach Bedarf. So kann er viele Funktionen erfüllen – als Festsaal, aber auch als Gymnastikraum oder als Ort für Musikproben. Durch seine Barriere-Freiheit ermöglicht der Raum allen Menschen die Teilhabe am öffentlichen Leben der Dorfgemeinschaft.

Dazu tragen auch die Parkplätze und Zugänge bei, die so gestaltet sind, dass sie von Rollstuhlfahrern problemlos benutzt werden können.

Durch die Hanglage des Neubaus war es möglich, die örtliche Feuerwehr mit Schulungsraum und Umkleideraum im Untergeschoss unterzubringen. Der Zugang erfolgt über die Rückseite des Gebäudes. Eine Fahrzeughalle mit zwei Stellplätzen ist ebenfalls Teils des Neubaus.

Im Untergeschoss des neu gebauten Bürgerhauses in Wattenweiler befinden sich die Räume der freiwilligen Feuerwehr.

Im Untergeschoss des Neubaus befinden sich die Räume der freiwilligen Feuerwehr.

Neue Funktionen für das Bestandsgebäude

Die verschiedenen Vereine des Dorfs finden heute Platz im ehemaligen Gasthof „Stern“. Bei dessen Umbau leisteten sie erhebliche Eigenleistungen. Unter der professionellen Koordination von Helmut Komm übernahmen Vereinsmitglieder Abbruch- und Ausräumarbeiten und konnten so dazu beitragen, den Kostenrahmen des Projekts einzuhalten.

Im Obergeschoss des Bestandsgebäudes befinden sich nun acht moderne Luftgewehr-Schießstände für den Schützenverein.

Ein gemeinsames Vereinsheim sowie eine Küche und ein Besprechungsraum befinden sich im komplett umgebauten Erdgeschoss des ehemaligen Gasthauses. Das Dachgeschoss bietet Platz für Archiv- und Lagerräume.

Nachdem auch die Außenanlagen fertiggestellt waren, konnten die Bürger von Wattenweiler im Oktober 2018 die Eröffnung ihres neuen Dorfzentrums feiern.